Bild des Jahres 2017

Mein Bild des Jahres 2017 trägt den Titel „Unvergessen“

Es ist entstanden auf einem Roadtrip im Oktober 2017 durch Polen im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

 

 

Ich habe auch meine Gedanken dazu aufgeschrieben:

Wie stelle ich mir eine Landschaft in Polen vor? Viele Bäume, Gestrüpp, weite Wiesen, Bäche, Flussläufe, Moore, blauer Himmel. Genau so sieht es hier aus, wo ich mich gerade befinde: Auschwitz / Birkenau. Birken – Au. Diese herrlichen Bäume mit der weißen Rinde. Weiß, die Farbe der Unschuld. Die wunderbaren bunten Blätter im Herbst. Und ich stehe da, genau da wo von der SS über eine Million Menschen vernichtet wurden.

Endlos weit scheint der Lagerkomplex zu sein. Wohin das Auge blickt Baracken, Zäune, Stacheldraht, Wachtürme, Gebäudereste, vereinzelte Besuchergruppen (denn in der Weite verläuft sich so einiges) und: Birken. Daher auch der Name. Gut vorstellbar dass ein paar der größten Birken hier schon vor ~ 80 Jahren standen.

Da sehe ich hinter einem Sperrzaun einen alten Mann mit einem Trolley. Unsere Blicke treffen sich. Ein kurzes Nicken und er erwidert. Sein Blick wird kurz freundlich aufgehellt, dann geht er weiter. Doch irgendwie war da ein kurzer Moment des Verständnisses. Er, der mit dem Grauen Tür an Tür lebt, vielleicht ist er familiär betroffen? Und ich, im Klaren über den Holocaust, aber trotzdem schockiert von diesem Ausmaß hier vor Ort. Und dann Kommen solche Fragen auf wie: „hat er erkannt, dass ich Deutscher bin?“ oder dann weiter: „habe ich als Deutscher Schuld? Trage ich Verantwortung?“

Ich für mich habe dies schon längst beantwortet. Ich bin 49. Als ich geboren wurde, gab es kein 3. Reich. Ich bin also weder schuldig noch verantwortlich. Aber ich, bzw. wir haben die Verantwortung, dass diese Greueltaten niemals vergessen werden. Und deswegen ist es wichtig, dass solche Stätten wie Auschwitz erhalten bleiben und besucht werden. Und jeder sich klar macht, was da passiert ist.

Ein Innehalten im Tun. Auch wenn es nur von kurzer Dauer ist. Eine Reflexion des eigenen Handelns und eine Fragestellung: „läuft es noch in die richtige Richtung“?

Und wenn man zur Erkenntnis kommt, daß es einer Korrektur bedarf, dann den Mut haben, dies auch umzusetzen. Denn dann hat so ein Besuch im Massenvernichtungslager auch etwas Gutes.

Was haben sich die Menschen nur gedacht, als sie aus den Zügen gestiegen sind und die Birken gesehen haben?

Ich bin endlos traurig…

 

 

Hier kommt Ihr zu einer Galerie auf meinem Fotografenprofil bei flickr mit weiteren Bildern aus Auschwitz-Birkenau

https://www.flickr.com/photos/96925749@N02/albums/72157686183875442

 

Hier eine Galerie mit Bildern aus dem Stammlager in Auschwitz

https://www.flickr.com/photos/96925749@N02/albums/72157687073014021

Die Bilder sprechen für sich…