{"id":10764,"date":"2026-08-09T17:06:12","date_gmt":"2026-08-09T15:06:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/?p=10764"},"modified":"2026-08-09T17:08:42","modified_gmt":"2026-08-09T15:08:42","slug":"zu-besuch-in-der-alten-pfeifenfabrik-in-schweina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/?p=10764","title":{"rendered":"Zu Besuch in der alten Pfeifenfabrik in Schweina"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auf den Spuren von Pfeifenmachern, Holzhandwerkern und Industriegeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Manche verlassenen Fabriken erz\u00e4hlen ihre Geschichte nicht nur durch alte Mauern und leere R\u00e4ume. Werkb\u00e4nke, Schablonen, Regale, Maschinen und zur\u00fcckgelassene Werkzeuge lassen noch erahnen, was hier einst entstanden ist und wie viele Menschen an diesen Orten gearbeitet haben. Ein solcher Ort ist das ehemalige Fabrikgel\u00e4nde \u201ePfeifen &amp; Holz\u201c in Schweina, einem Ortsteil von Bad Liebenstein.<\/p>\n<p>Bei unserem Besuch konnten wir uns ausf\u00fchrlich auf dem historischen Areal umsehen. F\u00fcr Fotografen ist die ehemalige Fabrik ein faszinierender Ort \u2013 doch hinter den Motiven verbirgt sich vor allem ein bemerkenswertes St\u00fcck Th\u00fcringer Industriegeschichte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0466.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10772\" src=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0466-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0466-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0466-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0466-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0466-450x300.jpg 450w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0466.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Die Anf\u00e4nge: Carl Sebastian Reich und die Pfeifenherstellung<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte des Unternehmens begann 1887, als Carl Sebastian Reich in Schweina eine eigene Pfeifenfabrik gr\u00fcndete. Reich stammte aus einer Familie, die bereits mit der Pfeifenherstellung verbunden war. Seine erste Werkstatt befand sich in der Erbsengasse. Schon 1889 zog der Betrieb in gr\u00f6\u00dfere R\u00e4umlichkeiten in der Marktgasse um.<\/p>\n<p>Das Unternehmen entwickelte sich schnell. Um 1900 arbeiteten bereits etwa 40 Menschen f\u00fcr C. S. Reich, 1909 waren es rund 100. Um 1910 entstand schlie\u00dflich ein neues Fabrikgeb\u00e4ude \u2013 ein Teil jenes Industrieensembles, dessen Spuren heute noch zu sehen sind. Bis zum Ersten Weltkrieg entwickelte sich C. S. Reich zur gr\u00f6\u00dften Pfeifenfabrik Deutschlands.<\/p>\n<p>Die Herstellung einer Tabakpfeife erforderte zahlreiche einzelne Arbeitsschritte. Aus dem Rohmaterial musste zun\u00e4chst der Pfeifenkopf herausgearbeitet werden. Bohren, Drehen, Fr\u00e4sen und Schleifen geh\u00f6rten ebenso dazu wie die Bearbeitung und Montage der Mundst\u00fccke. Schlie\u00dflich mussten die Oberfl\u00e4chen behandelt und poliert werden.<\/p>\n<p>Damit vereinte die Fabrik unterschiedliche handwerkliche F\u00e4higkeiten: Holzbearbeitung, Drechslerei, Schleiferei, Bohr- und Fr\u00e4sarbeiten sowie Montage und Oberfl\u00e4chenbearbeitung griffen ineinander. Was am Ende wie ein vergleichsweise einfacher Gebrauchsgegenstand erschien, war das Ergebnis vieler spezialisierter Arbeitsschritte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0412.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10770\" src=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0412-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0412-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0412-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0412-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0412-450x300.jpg 450w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0412.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Vom Handwerk zur industriellen Fertigung<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Wachstum des Unternehmens wandelte sich auch die Produktion. Aus einer kleinen Werkstatt war ein Industriebetrieb geworden.<\/p>\n<p>Das Fabrikgeb\u00e4ude der Pfeifenproduktion entstand um 1910. Etwa zehn Jahre sp\u00e4ter kam ein Verwaltungsgeb\u00e4ude hinzu. Das gr\u00f6\u00dfte Geb\u00e4ude des heutigen Ensembles ist das Ma\u00dfstabwerk, das um 1927 errichtet und um 1933 nochmals erweitert wurde.<\/p>\n<p>Diese Geb\u00e4ude dokumentieren gleichzeitig verschiedene Entwicklungsstufen des Unternehmens: von der spezialisierten Pfeifenproduktion \u00fcber die Verwaltung eines gr\u00f6\u00dfer werdenden Betriebes bis hin zur zunehmenden Herstellung anderer Holzwaren.<\/p>\n<p>Gerade beim Rundgang durch das Gel\u00e4nde wird diese Dimension sichtbar. Produktionsr\u00e4ume, Werkst\u00e4tten, Lagerfl\u00e4chen und Verwaltungsbereiche bildeten zusammen eine kleine industrielle Welt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0283.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10767\" src=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0283-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0283-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0283-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0283-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0283-450x300.jpg 450w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0283.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Schwierige Zeiten und neue Produkte<\/strong><\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg stellte das Unternehmen vor erhebliche Probleme. Besonders die Versorgung mit Rohstoffen wurde schwieriger. In den folgenden Jahren kamen Inflation und zunehmende Konkurrenz aus dem Ausland hinzu.<\/p>\n<p>Damit begann eine neue Epoche in der Geschichte des Werkes.<\/p>\n<p>Das Unternehmen suchte nach Produkten, die sich mit den vorhandenen Maschinen und den Erfahrungen in der Holzbearbeitung herstellen lie\u00dfen. Ab Ende der 1920er-Jahre wurde die Produktpalette deshalb deutlich erweitert. Neben Tabakpfeifen entstanden nun zunehmend andere Holzwaren und Werkzeuge.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0328.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10768\" src=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0328-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0328-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0328-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0328-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0328-450x300.jpg 450w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0328.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Ma\u00dfst\u00e4be \u2013 Pr\u00e4zision aus Holz<\/strong><\/p>\n<p>Ein besonders wichtiger Produktionszweig wurde die Herstellung von Ma\u00dfst\u00e4ben.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick ist ein h\u00f6lzerner Gliederma\u00dfstab ein einfacher Gegenstand. Seine industrielle Herstellung verlangt jedoch gro\u00dfe Genauigkeit. Holzleisten m\u00fcssen zugeschnitten und auf ein einheitliches Ma\u00df gebracht, geschliffen und mit einer pr\u00e4zisen Skala versehen werden. Anschlie\u00dfend werden die einzelnen Glieder miteinander verbunden und kontrolliert.<\/p>\n<p>Dass f\u00fcr diesen Produktionszweig ein eigenes gro\u00dfes Ma\u00dfstabwerk entstand, zeigt seine wirtschaftliche Bedeutung f\u00fcr das Unternehmen.<\/p>\n<p>Das um 1927 errichtete und wenige Jahre sp\u00e4ter erweiterte Geb\u00e4ude geh\u00f6rt heute zu den markanten Bestandteilen des Fabrikareals.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0334.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10769\" src=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0334-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0334-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0334-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0334-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0334-450x300.jpg 450w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0334.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Hobel und Werkzeuge f\u00fcr die Holzbearbeitung<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiteres wichtiges Gewerk war die Herstellung von Holzhobeln.<\/p>\n<p>Hier konnte das Unternehmen unmittelbar auf seine Erfahrungen in der Holzverarbeitung zur\u00fcckgreifen. Ein klassischer Holzhobel ben\u00f6tigt einen exakt gearbeiteten Hobelk\u00f6rper. Die Auflagefl\u00e4che muss eben sein, das Hobelmaul pr\u00e4zise ausgef\u00fchrt und das Hobeleisen sicher aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Hinzu kamen weitere Werkzeuge und Hilfsmittel f\u00fcr Handwerker. So entwickelte sich aus der urspr\u00fcnglichen Pfeifenfabrik nach und nach ein vielseitiger Hersteller von Holzprodukten und Werkzeugen.<\/p>\n<p>Noch heute ist diese Entwicklung am Namen des Gel\u00e4ndes abzulesen: \u201ePfeifen &amp; Holz\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0159.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10766\" src=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0159-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0159-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0159-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0159-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0159-450x300.jpg 450w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0159.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Wasserwaagen und Messger\u00e4te<\/strong><\/p>\n<p>Neben Ma\u00dfst\u00e4ben geh\u00f6rten sp\u00e4ter auch Wasserwaagen zum Produktionsprogramm.<\/p>\n<p>Damit kam zur klassischen Holzverarbeitung ein weiterer Bereich hinzu: die Herstellung von Messger\u00e4ten. Hier mussten Holz- beziehungsweise Werkzeugfertigung und Pr\u00e4zision miteinander verbunden werden.<\/p>\n<p>Die Produktpalette reichte schlie\u00dflich von Tabakpfeifen \u00fcber Ma\u00dfst\u00e4be und Hobel bis zu Wasserwaagen.<\/p>\n<p>So entstand auf dem Gel\u00e4nde ein bemerkenswertes Nebeneinander unterschiedlicher Gewerke: Pfeifenmacher, Holzarbeiter, Dreher, Schleifer, Werkzeugmacher und Besch\u00e4ftigte der Messger\u00e4tefertigung waren Teil einer gemeinsamen industriellen Produktion.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0448.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10771\" src=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0448-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0448-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0448-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0448-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0448-450x300.jpg 450w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0448.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Die Zeit als volkseigener Betrieb<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein weiterer Abschnitt der Firmengeschichte.<\/p>\n<p>1953 wurde das Unternehmen in Volkseigentum \u00fcberf\u00fchrt. Aus der Firma C. S. Reich wurde der VEB Pfeifen und Holzerzeugnisse Bad Liebenstein. Bekannt war der Betrieb auch unter der Bezeichnung HOWAL, abgeleitet von \u201eHolzwaren Liebenstein\u201c.<\/p>\n<p>Die Pfeifenherstellung blieb erhalten, doch die anderen Produktionszweige gewannen zunehmend an Bedeutung.<\/p>\n<p>Ende der 1970er-Jahre war HOWAL der alleinige Hersteller von Tabakpfeifen, Ma\u00dfst\u00e4ben, Wasserwaagen und Hobeln in der DDR.<\/p>\n<p>Damit hatten sich die Verh\u00e4ltnisse gegen\u00fcber der Gr\u00fcndungszeit grundlegend ver\u00e4ndert. Aus der Pfeifenfabrik des Carl Sebastian Reich war ein volkseigener Industriebetrieb mit einer breiten Palette von Holzwerkzeugen und Messger\u00e4ten geworden.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung spiegelte sich schlie\u00dflich auch im Namen wider: Ab 1979 firmierte das Unternehmen als VEB Werkzeuge und Me\u00dfger\u00e4te Schweina. Pfeifen wurden jedoch weiterhin hergestellt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0237.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10775\" src=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0237-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0237-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0237-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0237-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0237-450x300.jpg 450w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0237.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>1990 \u2013 das Ende des gro\u00dfen Betriebes<\/strong><\/p>\n<p>Mit der politischen und wirtschaftlichen Wende von 1989\/90 kam auch f\u00fcr das Werk eine einschneidende Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<p>1990 wurde der Betrieb geschlossen.<\/p>\n<p>Damit endete nach mehr als einem Jahrhundert die Geschichte der industriellen Produktion, die 1887 mit der kleinen Pfeifenwerkstatt von Carl Sebastian Reich begonnen hatte.<\/p>\n<p>Ganz verschwunden war die Pfeifenherstellung allerdings noch nicht. 1993 wurde auf einem Teil des Gel\u00e4ndes die Produktion unter dem Namen \u201ePfeifenstudio Hartmann Design Berlin\u201c wieder aufgenommen. Dort wurden noch bis 2017 Pfeifen gefertigt.<\/p>\n<p>Damit \u00fcberlebte das urspr\u00fcngliche Handwerk die gro\u00dfe Fabrik noch einige Jahre.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0312.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10778\" src=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0312-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0312-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0312-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0312-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0312-450x300.jpg 450w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0312.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Eine Fabrik als Zeitkapsel<\/strong><\/p>\n<p>Bei unserem Rundgang war gerade das Nebeneinander dieser verschiedenen Epochen besonders faszinierend.<\/p>\n<p>Die Geb\u00e4ude erz\u00e4hlen von einer Zeit, in der Industriearbeit noch unmittelbar mit handwerklichen F\u00e4higkeiten verbunden war. Holz wurde zugeschnitten, gebohrt, gedreht, gefr\u00e4st und geschliffen. Pfeifen entstanden ebenso wie Hobel, Ma\u00dfst\u00e4be und Wasserwaagen.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns Fotografen liegen die Geschichten heute in den Details.<\/p>\n<p>Eine alte Werkbank, abgenutzte Schubladen, verblasste Beschriftungen, Regale oder zur\u00fcckgelassene Werkzeuge werden zu Zeugnissen einer vergangenen Arbeitswelt. Licht f\u00e4llt durch die gro\u00dfen Fabrikfenster auf R\u00e4ume, in denen einst Maschinen liefen und Menschen ihrer t\u00e4glichen Arbeit nachgingen.<\/p>\n<p>Gerade diese Mischung aus Verfall, erhaltenen Spuren und Industriearchitektur macht den besonderen Reiz des Gel\u00e4ndes aus.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0270.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10777\" src=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0270-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0270-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0270-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0270-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0270-450x300.jpg 450w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0270.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Vom Lost Place zum LandCampus<\/strong><\/p>\n<p>Ganz verlassen ist das Areal inzwischen allerdings nicht mehr.<\/p>\n<p>2019 beschloss die Stadt Bad Liebenstein, das Gel\u00e4nde zu erwerben; der Kauf erfolgte 2020. Ein Masterplan zur weiteren Entwicklung wurde 2021 erstellt. Seitdem wurden erste Geb\u00e4ude gesichert und saniert. 2023 entstand gemeinsam mit mehr als 70 Stiftern die gemeinn\u00fctzige Stiftung LandCampus.<\/p>\n<p>Auf dem mehr als 6.000 Quadratmeter Nutzfl\u00e4che umfassenden ehemaligen Industrieareal sollen schrittweise neue M\u00f6glichkeiten zum Arbeiten, Leben und f\u00fcr kreative Projekte entstehen.<\/p>\n<p>Damit beginnt f\u00fcr \u201ePfeifen &amp; Holz\u201c eine weitere Epoche.<\/p>\n<p>Nach Pfeifenmachern und Holzhandwerkern, nach Industrialisierung, zwei Weltkriegen, DDR-Zeit, Wiedervereinigung und jahrelangem Leerstand erh\u00e4lt das Gel\u00e4nde erneut eine Aufgabe.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0203.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10774\" src=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0203-300x267.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0203-300x267.jpg 300w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0203-1024x913.jpg 1024w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0203-768x685.jpg 768w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0203-337x300.jpg 337w, https:\/\/www.juergen-stauch.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RES_0203.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Geschichte, die man noch sehen kann<\/strong><\/p>\n<p>Unser Besuch in der alten Pfeifenfabrik war deshalb weit mehr als eine Fototour durch alte Industriegeb\u00e4ude.<\/p>\n<p>Das Gel\u00e4nde erz\u00e4hlt von \u00fcber 130 Jahren Wirtschafts-, Handwerks- und Sozialgeschichte: vom privaten Unternehmer des ausgehenden 19. Jahrhunderts \u00fcber die industrielle Massenfertigung und den volkseigenen Betrieb der DDR bis zum Strukturbruch nach 1990 und den heutigen Bem\u00fchungen um Erhalt und neue Nutzung.<\/p>\n<p>Und vielleicht liegt genau darin die besondere Faszination solcher Orte.<\/p>\n<p>Solange Werkb\u00e4nke, Mauern, Fenster, Treppen und Maschinenreste noch vorhanden sind, bleibt Geschichte nicht abstrakt. Man kann durch sie hindurchgehen, ihre Spuren entdecken \u2013 und versuchen, sie mit der Kamera festzuhalten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/flic.kr\/s\/aHBqjD1Y95\">Hier geht es zu einem ganzen Album voll von Bildern:<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den Spuren von Pfeifenmachern, Holzhandwerkern und Industriegeschichte Manche verlassenen Fabriken erz\u00e4hlen ihre Geschichte nicht nur durch alte Mauern und leere R\u00e4ume. Werkb\u00e4nke, Schablonen, Regale, &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":10765,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-10764","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10764","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10764"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10764\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10780,"href":"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10764\/revisions\/10780"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/10765"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juergen-stauch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}