Balz und Paarung der Braunohrarassaris
Balz und Paarung der Braunohrarassaris

Balz und Paarung der Braunohrarassaris

Tief im tropischen Tieflandregenwald nahe Inírida im Osten Kolumbiens durfte ich eine besonders intime Szene beobachten: Zwei Braunohrarassaris (Pteroglossus castanotis) bei der Balz und Paarung – ein Moment, der nur selten so offen und ausdauernd zu sehen ist.

Diese farbenprächtigen Vertreter der Tukanfamilie sind nicht nur wegen ihres spektakulären Schnabels faszinierend, sondern auch wegen ihres komplexen Sozial- und Paarungsverhaltens.

Der Braunohrarassari bewohnt weite Teile des nördlichen und zentralen Südamerikas. In Kolumbien findet man ihn vor allem in feuchten Tieflandwäldern, Galeriewäldern entlang von Flüssen und Waldrändern – Lebensräume, wie sie rund um Inírida noch großflächig erhalten sind.

Typisch sind:

der kastanienbraune Kopf,

das leuchtend gelbe Brustgefieder mit rötlichem Bauchband,

sowie der lange, gebogene, mehrfarbige Schnabel.

Braunohrarassaris leben meist in kleinen, lockeren Gruppen. Während der Brutzeit jedoch bilden sich feste Paare – und genau hier beginnt eines der spannendsten Kapitel ihres Verhaltens.

Die Balz der Arassaris ist weniger spektakulär im Sinne großer Flugmanöver, sondern vielmehr geprägt von Nähe und Interaktion.

Ein zentrales Element ist das sogenannte Schnabelspiel. Dabei berühren sich die Partner mit ihren Schnäbeln, verhaken sie vorsichtig ineinander oder „fechten“ sanft miteinander. Dieses Verhalten wirkt beinahe verspielt – erfüllt jedoch eine wichtige Funktion:

Festigung der Paarbindung

Synchronisierung des Brutverhaltens

Einschätzung der Partnerkondition

Auf meinen Bildern ist genau dieser Moment zu sehen: Die beiden Vögel sitzen dicht beieinander, der obere Vogel umfasst mit seinem Schnabel den des Partners. Die Körperhaltung ist eng, beinahe umschließend – ein deutliches Zeichen von Vertrautheit.

Neben dem Schnabelkontakt gehört auch das gegenseitige Putzen zum Balzritual. Besonders Kopf und Nacken – Bereiche, die ein Vogel selbst nur schwer erreicht – werden vom Partner gepflegt.

Diese Gefiederpflege:

reduziert Parasitenbefall

stärkt die soziale Bindung

senkt Stress

erhöht die Kooperationsbereitschaft während der Brut

(Arassaris sind Höhlenbrüter. Eine funktionierende Partnerschaft ist daher essenziell, da beide Elternteile an Brut und Aufzucht beteiligt sind.)

Nach erfolgreicher Balz kommt es zur Kopulation, die meist auf stabilen Ästen oder in der Nähe der späteren Nisthöhle stattfindet. Die eigentliche Brut erfolgt in natürlichen Baumhöhlen oder alten Spechthöhlen.

Typische Eckdaten:

Gelege: meist 2–4 Eier

Brutdauer: etwa 16–18 Tage

Beide Eltern brüten

Die Jungen schlüpfen nackt und blind

Besonders interessant: Arassaris besitzen wie viele Tukane eine modifizierte Zehenstellung (zygodactyl), die ihnen sicheren Halt an vertikalen Baumstämmen ermöglicht – ideal für das Klettern in Baumhöhlen.

 

Balz und Paarung finden häufig, hoch im Kronendach, in dichter Vegetation, nur über kurze Zeiträume und oft in den frühen Morgenstunden statt.

Dass sich dieses Paar so frei auf einem exponierten Ast zeigte, war ein außergewöhnlicher Moment. Das warme Licht kurz nach Sonnenaufgang verlieh der Szene zusätzliche Intensität und betonte die Farben des Gefieders.

Braunohrarassaris sind trotz fester Paarbindung keine strikt territorialen Einzelgänger. Oft bleiben Jungvögel aus vorherigen Bruten noch eine Zeit lang in der Gruppe. Dennoch zeigt sich während der Brutzeit eine klare Fokussierung auf den Partner.

Die intensive Schnabelinteraktion dient auch dazu, Rivalen zu signalisieren:
Dieses Paar ist etabliert.

 

Der Braunohrarassari ist nicht nur ein optisches Highlight des südamerikanischen Regenwaldes, sondern auch ein faszinierendes Beispiel für:

komplexe Paarbindung

kooperative Brutpflege

feine soziale Kommunikation

Solche Momente im Feld zu erleben – in der Abgeschiedenheit des kolumbianischen Regenwaldes nahe Inírida – sind für mich der Kern der Naturfotografie: Nicht nur ein Bild festzuhalten, sondern Verhalten sichtbar zu machen.